HouseHaus | LA PALOMA

LA PALOMA

LA CASA DE DOS HORIZONTES

Ort: La Paloma, Uruguay

Entwurf und Ausfuehrungsplanung: Martin Kläschen

Kontext

La Paloma ist einer der wenigen Orte in der Welt von dem man sowohl Sonnenaufgang als auch Sonnenuntergang am Horizont betrachtet kann. Entsprechend ist die Längsachse des Gebäudes in nord-süd Richtung parallel zur Küste orientiert. Die Aufstelzung des Bauwerks erlaubt dem Bewohner über die Baumwipfel hinweg in die Weite der ebenen Landschaft bis zum Horizont zu schauen, wo sich im Osten die seichten Hügel der Pampa erstrecken und im Westen die stark zerklüftete Atlantikküste erschließt. Die großen Fensterflächen gewähren freie Aussicht auf das Zusammenspiel der Naturkräfte von Himmel, Erde und Ozean: Einheimische beschreiben es als ein sagenhaftes Schauspiel wenn Gewitter diese anmutende Landschaft überziehen.

Tragwerk

Die gesamte Konstruktion wurde mit örtlich vorkommenden Hölzern errichtet. Für das Primärtragwerk wurde aus zwei bestimmten Gründen Eukalyptus verwendet. Zum Einen verhindern die ätherischen Öle Schädlingsbefall des Tragwerks und zum Anderen härtet das langfaserige Holz bei richtiger Ablagerung so stark durch, dass es sich hervorragend für die besondere Belastung der Diagonalstützen eignet. Der diagonale Stützenverbund steift das Tragwerk aus und benötigt so erheblich weniger Material als ein orthogonaler Pfosten-Riegelverbund. Gleichzeitig beansprucht diese Konstruktionstechnik eine kleinere Fundamentfläche, was neben weiteren Materialeinsparungen dazu führt, dass der Eingriff in die Landschaft verringert wird und weniger Boden versiegelt wird.

Das Fundament ist mit einem Hohlraum ausgestattet, der als Zisterne (Brauchwassersammelstelle) und gegebenenfalls auch als thermischer Massenspeicher funktioniert. Die Höhe des Fundamentkastens trägt wesentlich zur Standfestigkeit des Tragwerkes bei.

Wasserver- und Entsorgung

Ein Ver- und Entsorgungsschacht ist lateral an das Treppenhaus angegliedert. Über diesen findet die vertikale Führung von Wasserversorgung und Abwasserentsorgung statt. Der Schacht verbindet die Dachhaut mit einer unterirdischen Zisterne, so dass hier das Regenwasser zur Brauchwassernutzung gespeichert wird.

Raumprogramm und Organisation

Der offen gestaltete Wohnbereich zeigt nach Nordwesten – der Sonnenseite der südlichen Hemisphäre. Er fasst die Funktionen von Küche, Esszimmer und Wohnzimmer zusammen. Im Zentrum des Wohnbereichs befindet sich ein zweiseitig beheizbarer Holzbrikettofen. An den Wohnbereich schließt sich eine Terrasse an.Parallel zur Atlantikküste verlaufend bietet sie eine multifunktionale Expansionsfläche für den Wohnbereich. Dort halten die Bewohner ihre Siesta in Hängematten und Liegestühlen ab, sie nutzen diesen Ort zum meditieren und veranstalten dort (schon während der Bauphase) formale Abendessen.

Die Schlafzimmer sind nach Süden orientiert und liegen hier im geschützten Schatten der Mittagssonne. Von dem offenen Wohnbereich abgeschottet, bleiben sie an dieser Seite als private Ruhezone im Haus ungestört.

Der Treppenaufgang spannt sich zwischen den aussteifenden Betonwänden auf und ist an den Stirnseiten mit Holzlamellen eingefasst. Auf diese Weise wird der Treppeninnenraum mit Tageslicht und Frischluft versorgt, während das Haus gleichzeitig vor Einbruch geschützt wird. Die gegebene Transparenz erlaubt es dem Nutzer im Schatten des Treppeninnenraumes den Außenraum zu übersehen.

Energiebewirtschaftung

Aufgrund seiner Lage ist das Haus gänzlich von jeglichen Energieversorgungnetzen entkoppelt. Die Elektroenergieversorgung erfolgt über auf dem Haus installierte Solar- und Windkraftanlagen. Der Haushalt ist voll mit modernen Elektrogeräten und -maschinen ausgestattet und mehr als 96% ihres Energiebedarfs werden im Jahresschnitt durch Wind- und Solargewinnung gedeckt wobei der Restbedarf durch einen Dieselgenerator geleistet wird.

Die Warmwasseraufbereitung geschieht über auf dem Dach installierte Sonnenkollektoren. Die Beheizung der Gemeinschaftsräume erfolgt durch einen Holzbrikettofen und gegebenenfalls durch stationäre Gasbrenner in den Schlafquartieren. Bei Außentemperaturen unter 19°C tragen die großen Glasflächen der Außenhaut unterstützend zur solaren Wärmegewinnung bei.

Bei Außentemperaturen über 19°C wird der Innenraum mit transluzentem Sonnenschutz verschattet. Die parallele Orientierung der Gebäudelängsseite zur Küste und die offene Organisation des Innenraumes erlauben es das Gebäude mittels Querlüftung zu kühlen.

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